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Der Nussknacker
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Der Nussknacker, op. 71 (franzĂśsisch Casse-Noisette; russisch ЊоНкŃĐ˝Ńик, Schtschelkuntschik ; englisch The Nutcracker) ist ein Märchen-Ballett bzw. eine Feeriecite-ref-kohlhase40-1-0[1]cite-ref-petipa-2-0[2] in zwei Akten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, das 1892 seine UrauffĂźhrung in Sankt Petersburg erlebte.
Vorlage fĂźr das Libretto war Alexandre Dumas pères Histoire dâun casse-noisette (1845), eine franzĂśsische Adaption des Märchens NuĂknacker und MausekĂśnig von E. T. A. Hoffmann (1816).cite-ref-kohlhase40-1-1[1]
Der Nussknacker ist bis heute eines der populärsten Ballette. Es wird von vielen Theatern und Opernhäusern regelmäĂig aufgefĂźhrt, meist in der Zeit um Weihnachten. Mehrere musikalische Nummern aus dem Ballett sind auch durch die Nussknackersuite op. 71a berĂźhmt.
Contents
⢠Inhalt
⢠Personen
⢠Handlung
⢠Aufbau
⢠Entstehung
⢠Urauffßhrung
⢠CDs
⢠Verfilmungen
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Inhalt
Personen
⢠Präsident Silberhaus (in der sowjetischen Tradition wie in der Vorlage von Hoffmann: âStahlbaumâ)cite-ref-4[4]cite-ref-5[5] und seine Frau, Eltern von Klara und Fritz
⢠Fritz, Sohn der Familie Silberhaus (urspr. Kinderrolle)
⢠Marianne, Nichte des Präsidenten Silberhaus (urspr. Kinderrolle)
⢠Rat Drosselmeier, Pate von Klara und Fritz
⢠der Nussknacker-Prinz
⢠Marketenderin und Soldat (Puppen)
⢠der MäusekÜnig
⢠die Zuckerfee (FÊe DragÊe) (fehlt in einigen Produktionen)
⢠Prinz Coqueluche (fehlt in einigen Produktionen)
⢠Solisten im Divertissement des 2. Akts
⢠u. a. Verwandte, Kinder, Diener, Mäuse, Schneeflocken, Feen, Blumen
Handlung
Die Handlung kann in verschiedenen Produktionen in kleinen und grĂśĂeren Details differieren; zum Beispiel fehlen in einigen modernen, russischen Versionen die Zuckerfee und Prinz Coqueluche. Es ist daher nicht mĂśglich, eine vĂśllig allgemeingĂźltige Inhaltsangabe zu machen (siehe Abschnitt: AuffĂźhrungsgeschichte). Die folgende Handlung richtet sich nach dem Original-Libretto.cite-ref-8[8]
Akt 1, Bild 1: Im Hause der Familie Silberhaus
Im Mittelpunkt des Balletts steht das Mädchen Klara. Sie ist die Tochter der wohlhabenden Familie Silberhaus, die das Weihnachtsfest mit vielen Freunden und Verwandten feiert. Auch ihr Patenonkel Drosselmeier kommt zur groĂen Bescherung vorbei. Er ist Uhrmacher und Erfinder und beeindruckt die gesamte Familie mit aufziehbaren Figuren. Diese kĂśnnen musizieren und sogar tanzen. Nach der Darbietung hat Drosselmeier noch eine kleine Ăberraschung aufgespart â einen prächtigen Nussknacker. Sehr zu Klaras BestĂźrzung beschädigt ihr Bruder Fritz jedoch den Nussknacker, den das traurige Mädchen daraufhin in das Bett ihrer Puppe legt. Nach einem allgemeinen âGroĂvatertanzâ verabschieden sich die Gäste.
Mitten in der Nacht steht Klara auf, um nach dem kranken Nussknacker zu sehen. Alles ist ganz unheimlich â der Weihnachtsbaum wird immer grĂśĂer und das Mädchen wird Zeugin einer Schlacht zwischen den vom Nussknacker angefĂźhrten Spielzeugsoldaten und dem Heer des MäusekĂśnigs. Als es fĂźr den Nussknacker schlecht aussieht, ergreift Klara einen Pantoffel und wirft ihn dem MäusekĂśnig an den Kopf. Die Mäuse fliehen und der Nussknacker verwandelt sich in einen jungen, hĂźbschen Prinzen.
Akt 1, Bild 2: Winterlicher Tannenwald
Da verwandelt sich die Szene in einen verschneiten Tannenwald. Klara und der Nussknackerprinz erleben einen Walzer der Schneeflocken, der sich zu einem wahren SchneegestĂśber steigert.
Akt 2, Bild 3: Der Zauberpalast von KonfitĂźrenburg (Phantastische Dekoration)
Ăber einen Fluss aus Rosenwasser erreichen der Nussknackerprinz und Klara âKonfitĂźrenburgâcite-ref-9[9] (auch: âReich der Zuckerfeeâ oder âReich der SĂźĂigkeitenâ genannt). Der Prinz erzählt seinen vier Schwestern und den anderen, wie Klara ihn gerettet hat. In einer Stimmung aus Erleichterung, Freude und Dankbarkeit beginnt ein fantastisches Fest, bei dem verschiedenste Tänzer aus aller Herren Länder spektakuläre Auftritte haben. Zum Beispiel tanzen russische Tänzer den Trepak, arabische Bauchtänzerinnen treten auf, tanzende RohrflĂśten (franz. Mirlitons) und eine Gruppe chinesischer Akrobaten erscheinen. Jedes Land präsentiert dabei jeweils traditionelle Leckereien und Getränke. Als KrĂśnung tanzen die Zuckerfee und ihr Kavalier (heute oft: Klara und der Nussknackerprinz, Anm. d. Verf.) einen Pas de deux. Das Fest endet mit einem eleganten Walzer aller Anwesenden.
FĂźr den Schluss gibt es verschiedene Varianten:
⢠Im Original-Libretto ist in der finalen Apotheose ein groĂer Bienenstock mit umherschwirrenden Bienen zu sehen, die ihren Honig bewachen.cite-ref-kohlhase47-10-0[10] Dies wird heute jedoch normalerweise nicht mehr so aufgefĂźhrt.
⢠Es stellt sich heraus, dass alles nur ein Traum war. Klara erwacht am Ende und der Nussknacker ist wieder eine Puppe (z. B. in russischen Versionen nach Alexander Gorsky 1919, Vasily Vainonen 1934 (Mariinski-Ballett) und Juri Grigorowitsch 1966 (Bolschoi-Ballett)).cite-ref-petipa-20century-6-1[6]
⢠Klara reist in einem Rentierschlitten wieder nach Hause, wo sie sich in ihr Bettchen zurßckschleichen kann, ohne dass ihre Familie etwas davon merkt (z. B. bei Balanchine 1954 (New York City Ballet)).
cite-ref-petipa-west-11-0[11]
Besetzung und Aufbau
Orchesterbesetzung & Besonderheiten
Blasinstrumente:
⢠3 QuerflÜten (2. und 3. auch PiccoloflÜten)
⢠3 Oboen (3. Englischhorn)
⢠3 Klarinetten (1. und 2. in A und B, 3. Bassklarinette)
⢠2 Fagotte
⢠4 HÜrner (in F)
⢠2 Trompeten (in A und B)
⢠3 Posaunen
⢠1 Tuba
Schlaginstrumente:
⢠Pauken
⢠Schlagwerk (3 Spieler; Becken, groĂe Trommel, Tamtam, Triangel, Tamburin, Kastagnetten, Ratsche,cite-ref-12[12] Glockenspiel)
Tasteninstrumente:
Saiteninstrumente:
⢠2 Harfen
⢠Streichorchester
Tschaikowskys Instrumentierung ist im Nussknacker sehr raffiniert, farbig und bereits impressionistisch. Es gibt einige Besonderheiten:
⢠Im ersten Bild tritt im âTanz des GroĂvatersâ eine BĂźhnenmusik aus spielenden Kindern auf, die mit obligaten Spielzeugtrompeten und -trommelncite-ref-14[14] sowie mit Spielzeugbecken, Kuckucks- und WachtelflĂśten (in C-Dur) ad libitum besetzt ist.cite-ref-15[15] AuĂerdem ertĂśnt ein Schuss.
⢠Im zweiten Bild singt im âSchneewalzerâ ein zweistimmiger Frauen- oder Kinderchorcite-ref-16[16] eine Vokalise hinter der BĂźhne.
⢠Bemerkenswert ist der solistische Einsatz der Celesta, die Tschaikowsky erst im Sommer 1891 in Paris kennengelernt hatte.cite-ref-kohlhase47-10-1[10] Der âTanz der Zuckerfeeâ im zweiten Akt ist eine der ersten Kompositionen, die das Instrument als Teil des Sinfonieorchesters verwenden und bis heute das bekannteste StĂźck des klassischen Repertoires fĂźr Celesta.
Aufbau
⢠Ouvertßre
⢠1. Akt â Erstes Bild
⢠1. Weihnachtsfeier â SchmĂźcken und Erleuchten des Weihnachtsbaumes
⢠2. Marsch
⢠3. Kleiner Galopp der Kinder und Auftritt der Eltern
⢠4. Drosselmeiers Bescherung
⢠5. Präsentation des Nussknackers und GroĂvatertanz
⢠6. Abschied der Gäste â Nacht
⢠7. Schlacht der Mäuse und Pfefferkuchen-Soldaten
⢠1. Akt â Zweites Bild
⢠8. Im Tannenwald
⢠9. Schneeflocken-Walzer
⢠2. Akt â Drittes Bild
⢠10. Im Zauberschloss von Konfitßrenburg
⢠11. Ankunft von Klara und dem Nussknacker-Prinzen
⢠12. Divertissement
⢠a) Schokolade â Spanischer Tanz (Bolero)
⢠b) Kaffee â Arabischer Tanz
⢠c) Tee â Chinesischer Tanz
⢠d) Trepak â Russischer Tanz
⢠e) Tanz der RohrflÜten
⢠f) Mutter Gigogne und die Polichinelles
⢠13. Blumenwalzer
⢠14. Pas de deux
⢠a) Intrada
⢠b) Variation I: Tarantella
⢠c) Variation II: Tanz der Zuckerfee
⢠d) Coda
⢠15. Valse finale und Apotheose
AuffĂźhrungsgeschichte
Entstehung
Der Nussknacker ist Tschaikowskys drittes und letztes Ballett und entstand ursprĂźnglich fĂźr eine DoppelauffĂźhrung mit seinem Opern-Einakter Iolanta.cite-ref-kohlhase40-1-2[1]cite-ref-petipa-worldpremiere-17-0[17] Den Auftrag fĂźr beide Werke erhielt der Komponist von Iwan Wsewoloschski, dem Direktor der kaiserlichen russischen Theater und Autor des Librettos von DornrĂśschen, der auch zusammen mit dem Choreografen Marius Petipa das Libretto zum Nussknacker verfasste.cite-ref-petipa-2-2[2] UrsprĂźnglich war die gemeinsame UrauffĂźhrung der beiden Werke fĂźr die Spielzeit 1891â1892 geplant, aber wegen zahlreicher Schwierigkeiten musste sie verschoben werden.cite-ref-kohlhase40-1-3[1]cite-ref-petipa-compo-18-0[18]
Das erste Problem war, dass Tschaikowsky sich durch die Geschichte nicht besonders inspiriert fĂźhlte.cite-ref-petipa-compo-18-1[18] Zwischenzeitlich ging er auf Tournee nach Paris und in die USA, so dass ein groĂer Teil der Partitur während dieser Reise entstand.cite-ref-petipa-compo-18-2[18] Es gab auĂerdem Schwierigkeiten zwischen Tschaikowsky und Wsewoloschski, und schlieĂlich starben während der Vorbereitungen zuerst Tschaikowskys Schwester Alexandra (April 1891) und dann Petipas 15-jährige Tochter Evgenia (am 14. Augustjul. / 26. August 1892greg.).cite-ref-petipa-compo-18-3[18] Petipa verfiel in groĂe Trauer, wurde krank und ĂźberlieĂ die Einstudierung des Ballettes Lew Iwanow als erstem Ballettmeister und Enrico Cecchetti als zweitem Ballettmeister.cite-ref-petipa-compo-18-4[18] Es ist nicht bekannt, wie viel von der Choreografie von Petipa stammt, der aber, wie damals Ăźblich, vor der Komposition genaue Angaben zur Musik und den Tänzen gemacht hatte, nach denen sich Tschaikowsky richtete.cite-ref-petipa-compo-18-5[18]
UrauffĂźhrung
Der Nussknacker wurde zusammen mit der Oper Iolanta am 6. Dezemberjul. / 18. Dezember 1892greg. zum ersten Mal im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg aufgefĂźhrt,cite-ref-petipa-2-3[2] weniger als ein Jahr vor Tschaikowskys Tod. Die Kinderrollen wurden tatsächlich von Kindern getanzt: Klara von der 12-jährigen Stanislava Belinskaya, und der Nussknacker-Prinz von dem 17-jährigen Sergei Legat.cite-ref-petipa-compo-18-6[18] Es tanzten auĂerdem Antonietta DellâEra als Zuckerfee, Pawel Gerdt als Prinz Coqueluche, und in den Solotänzen der Divertissements unter anderem Olga Preobraschenskaja, Georgy Kyaksht und Petipas TĂśchter Marie und Nadeschda.cite-ref-petipa-2-4[2] Der Solist im Russischen Tanz (Trepak) war Alexander Shiryaev, der auch die Choreografie dazu erfunden hatte.cite-ref-petipa-granddiv-19-0[19]
Das Ballett wurde wegen Unzulänglichkeiten des Librettos und der Choreografie ziemlich kritisiertcite-ref-petipa-worldpremiere-17-1[17] und gilt auch heute noch als das âdramatisch schwächsteâ der Tschaikowsky-Ballette.cite-ref-kohlhase40-1-4[1] Seine Musik gefiel jedoch auf Anhieb und wurde sehr gelobt. Ein Autor der Petersburger Gazette meinte gar:
â⌠es ist ein Jammer, dass so viel schĂśne Musik verschwendet wird an einen Unsinn, der es gar nicht wert ist, beachtet zu werden, aber die Musik ist im Allgemeinen exzellent: die fĂźr die Tänze ist dansante und die fĂźrs Ohr und die Fantasie geistreich. Von Tschaikowskys drei Balletten ⌠ist Nussknacker das beste, seine Musik freilich nicht fĂźr das normale Ballettpublikum.â
â
Peterburgskaya gazeta
(9. Dezember 1892), S. 4
Nachdem das Ballett fĂźnf bis sechs Jahre nicht aufgefĂźhrt worden war, brachte Lew Iwanow im Jahr 1900 eine neue Produktion auf die BĂźhne, die bis zur russischen Revolution im Repertoire des kaiserlichen Balletts blieb.cite-ref-petipa-worldpremiere-17-3[17]
Die Choreografie des Balletts wurde 1909 während Auffßhrungen mit Olga Preobraschenskaja als Zuckerfee in der Stepanov Methode notiert und gehÜrt heute zu den historischen Tanzpartituren der Sergeyev Collection der Harvard University.
Spätere Produktionen
Gorsky und seine Nachfolger
Nach der Revolution brachte Alexander Gorsky 1919 eine besonders einflussreiche Produktion des Nussknackers mit dem Ballett des Moskauer Bolschoi-Theaters auf die Bßhne. Dabei nahm Gorsky Veränderungen vor, die von vielen späteren Choreografen ßbernommen wurden, zum Beispiel lieà er die Rollen von Klara und dem Nussknacker-Prinzen nicht mehr von Kindern oder Jugendlichen, sondern von erwachsenen Tänzern ausfßhren.cite-ref-petipa-20century-6-2[6] Die Figuren der Zuckerfee und von Prinz Coqueluche strich er ganz, und gab deren Tänze Klara und dem Nussknacker, wodurch die Beziehung dieser beiden Figuren romantisiert wurde.cite-ref-petipa-20century-6-3[6] Das Ende des Balletts wurde von Gorsky zum ersten Mal so geändert, dass Klara aus einem Traum erwacht und der Nussknacker wieder nur eine Puppe ist.cite-ref-petipa-20century-6-4[6]
Diese Neuerungen wurden unter anderem 1934 von Wassili Wainonen in dessen Produktion fĂźr das Kirov/Mariinski-Ballett und auch 1966 von Juri Grigorowitsch fĂźr dessen Version mit dem Bolschoi-Ballett Ăźbernommen.cite-ref-petipa-20century-6-5[6] Die letzteren beiden änderten auĂerdem den Namen Klara in âMaschaâ, das russische Diminutiv von Marie (der Name, den sie bei Hoffmann trägt).cite-ref-petipa-20century-6-6[6]
AuĂerhalb Russlands
Nikolai Sergejew â der ehemalige Besitzer der obenerwähnten Tanzpartituren, die später in den Besitz der Harvard University gelangten â, erarbeitete mit dem Sadlerâs Wells Ballet eine stark an der Originalversion des kaiserlichen Ballettes orientierte Choreografie, deren Premiere am 30. Januar 1934 stattfand, mit Alicia Markova als Zuckerfee und Stanley Judson als ihr Kavalier.cite-ref-petipa-west-11-1[11]
Sehr populär wurde die Version von George Balanchine mit dem New York City Ballet von 1954. Balanchine hatte in seiner Jugend selber den Nussknacker-Prinzen in der Produktion des kaiserlichen Ballettes getanzt und kannte daher die Original-Version, von der er viele Details Ăźbernahm â aber er änderte auch einiges. Beispielsweise benannte er Klara in Marie um (wie bei Hoffmann), und versetzte den Tanz der Zuckerfee an den Beginn des 2. Akts; die Variation fĂźr ihren Kavalier (Prinz Coqueluche) strich er ganz.cite-ref-petipa-west-11-2[11] Er hatte auĂerdem die Idee, Marie (Klara) am Ende in einem Schlitten nach Hause zurĂźckfahren zu lassen.cite-ref-petipa-west-11-3[11] Balanchines Version wurde am 2. Februar 1954 im New York City Center uraufgefĂźhrt, mit Maria Tallchief (Zuckerfee), Nicholas Magallanes (Kavalier), Zina Bethune (Marie) und Paul Nickel (Nussknacker).cite-ref-petipa-west-11-4[11]
Andere bekannte Choreographien von Der Nussknacker schufen: Fedor Lopuchow (1928), Rudolf Nurejew (1963, Royal Ballet/1988 Pariser Oper),cite-ref-petipa-west-11-5[11] John Neumeier (1971), Heinz Spoerli (1980), Peter Wright (1985/1990/1999),cite-ref-petipa-west-11-6[11] Jochen Ulrich, GĂźnter Pick und Christian Spuck.
Die Handlung wurde dabei teilweise weiter verändert, zum Beispiel spielt das Ballett bei John Neumeier gar nicht mehr am Weihnachtsabend, sondern am 12. Geburtstag von Marie (alias Klara), die im wahrsten Sinne des Wortes davon träumt, eine Ballerina zu sein und dabei mit ihrem Schwarm âGĂźntherâ tanzt, der ihr zuvor einen Nussknacker geschenkt hatte.cite-ref-22[22]
Juri Burlaka und Wassili Medwedew brachten 2012 mit dem Staatsballett Berlin eine neue Version heraus, die sich an dem Originaldekor und den KostĂźmen von 1892 orientierte, aber auch einige modernere Traditionen Ăźbernahm.cite-ref-petipa-west-11-7[11]
Die Nussknacker-Suite
Tschaikowsky stellte acht besonders gelungene und farbig orchestrierte Sätze aus dem Ballett â vor allem aus dem 2. Akt â zu einer Suite zusammen, der sogenannten Nussknacker-Suite op. 71a. Diese dirigierte er bereits mehr als ein halbes Jahr vor der UrauffĂźhrung des gesamten Ballettes in einem Konzert am 7. Märzjul. / 19. März 1892greg. in Sankt Petersburg.cite-ref-petipa-worldpremiere-17-4[17]cite-ref-23[23] Die Ouverture und Tänze der Nussknacker-Suite sind die berĂźhmtesten StĂźcke des Balletts (und von Tschaikowsky) und auch einem grĂśĂeren Publikum bekannt, das sonst gar nichts mit Ballett zu tun hat. Manchmal sind auch gekĂźrzte Versionen der Suite zu hĂśren, unter anderem in Walt Disneys Film Fantasia.
Die Suite besteht aus folgenden Sätzen:
⢠Ouverture miniature: Allegro giusto, 2/4 Takt, B-Dur
⢠Marche: Tempo di marcia viva, 4/4 Takt, G-Dur
⢠Danse de la FÊe DragÊe (Tanz der Zuckerfee): Andante non troppo, 2/4 Takt, e-moll
⢠Danse russe Trepak (Russischer Tanz): Tempo di Trepak, molto vivace, 2/4 Takt, G-Dur
⢠Danse arabe (Arabischer Tanz): Allegretto, 3/8 Takt, g-moll
⢠Danse chinoise (Chinesischer Tanz): Allegro moderato, 4/4 Takt, B-Dur
⢠Danse des mirlitons (Tanz der RohrflÜten): Moderato assai, 2/4 Takt, D-Dur
⢠Valse des fleurs (Blumenwalzer): Tempo di Valse, 3/4 Takt, D-Dur
Bilder der ersten Inszenierung
CDs
Gesamtaufnahmen der Ballettmusik wurden eingespielt von folgenden Orchestern und Dirigenten (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):
⢠Los Angeles Philharmonic, Gustavo Dudamel (Deutsche Grammophon; 2018)
⢠Mariinsky Orchestra, Valery Gergiev (Mariinsky Label; 2017)
⢠Russian National Orchestra, Michail Pletnew (Ondine/Naxos; 2011)
⢠Berliner Philharmoniker, Simon Rattle (Warner Classics, 2010)
⢠London Symphony Orchestra, AndrÊ Previn (EMI; 2001/2009)
⢠Royal Philharmonic Orchestra, Juri Temirkanow (RCA Victor; 1991)
⢠Staatskapelle Dresden, Hans Vonk (ETERNA; 1988)
⢠Berliner Philharmoniker, Semyon Bychkov (Decca/Universal Music; 1987/2013)
⢠London Symphony Orchestra, Charles Mackerras (Telarc; 2016)
⢠Philharmonia Orchestra, Michael Tilson Thomas (Newt On Classics; 1985/2014)
⢠National Philharmonic Orchestra, Richard Bonynge (Decca; 1974/1995)
⢠Bolshoi Theatre Orchestra, Gennadi Rozhdestvensky (Melodia Eurodisc; Datum ?)
⢠Orchestre symphonique de MontrÊal, Charles Dutoit (Decca; wiederverÜffentlicht 2014)
⢠Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Antal Dorati (Philips, Datum ?)
Daneben existieren zahlreiche Aufnahmen der Nussknacker-Suite op. 71a und auch von AuszĂźgen (Highlights).
Verfilmungen
Ballettfilme (Auswahl)
⢠Tschaikowsky: George Balanchine's The Nutcracker (Filmversion von Balanchines Choreografie mit Erzähler), mit Jessica Lynn Cohen (Marie), Macaulay Culkin (Nussknackerprinz), Darci Kistler (Zuckerfee), Damian Woetzel (Prinz Coqueluche/Kavalier), Heather Watts (Frau Stahlbaum/Tautropfen), Kyra Nichols (Marzipan), Tom Gold (Kandiszucker), Kevin Kline (Erzähler) u. a., New York City Ballet und Orchestra, Dir.: David Zinman; Regie: Emile Ardolino (Elektra Entertainment/Warner Brothers, 1993)
⢠Tschaikowsky: The Nutcracker (Version von Peter Wright nach Lew Iwanow und Marius Petipa), mit Lesley Collier (Zuckerfee), Anthony Dowell (Prinz) u. a., The Royal Ballet und Orchestra of the Royal Opera House Convent Garden, Dir.: Gennadi Rozhdestvensky (NVC Arts/Warner, 2002 (?); DVD)
⢠Tschaikowsky: The Nutcracker (Version von Wassili Wainonen nach Lew Iwanow und Marius Petipa), mit Alexandra Korshunova (Mascha als Kind), Alina Somowa (Mascha als Prinzessin), Vladimir Shklyarov (Nussknackerprinz) u. a., Mariinski-Ballett, Orchester des Mariinski-Theaters, Dir.: Valery Gergiev (Euro Arts/Warner, 2014; DVD)
⢠Tschaikowsky: The Nutcracker (Version von Juri Grigorowitsch nach Lew Iwanow und Marius Petipa), mit Nina Kaptsova (Marie), Artem Ovcharenko (Nussknackerprinz) u. a., Bolschoi-Ballett und Orchester des Bolschoi-Theaters, Dir.: Pavel Klinichev (PathÊ Live/Bel Air, 2010/2011; DVD)
⢠Tschaikowsky: The Nutcracker (Version von Vasily Medvedev und Yuri Burlaka nach Lew Iwanow und Marius Petipa), mit Iana Salenko (Clara und Zuckerfee), Marian Walter (Nussknacker und Prinz Coqueluche) u. a., Staatsballett Berlin, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Robert Reimer (Bel Air Classiques/Naxos, 2016; DVD)
⢠Tschaikowsky: The Nutcracker (Version von Peter Wright nach Lew Iwanow und Marius Petipa), mit Lauren Cuthbertson (Zuckerfee), Federico Bonelli (Prinz), Francesca Hayward (Clara), Alexander Campbell (Nussknacker) u. a., The Royal Ballet und Orchestra of the Royal Opera House Convent Garden, Dir.: Boris Gruzin (Opus Arte, 2016; DVD)
Andere Adaptionen
⢠Ein sowjetischer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1973 mit dem Titel ЊоНкŃĐ˝Ńик (Schtschelkuntschik, âDer Nussknackerâ) verwendet die Musik des BallettstĂźcks als Untermalung der wortlosen Handlung.
⢠Der computeranimierte US-amerikanische Film Barbie in: Der Nussknacker (Barbie and the Nutcracker; 2001 von Lions Gate Films) und der kanadische Zeichentrickfilm Der NuĂknacker-Prinz (The Nutcracker Prince; 1990 von Paul Schibli) arbeiten die Suite ebenfalls in ihre Handlung ein.
⢠Der 2009 durch den russischen Theaterregisseur Andrei Kontschalowski inszenierte britische Film Der Nussknacker orientiert sich ebenfalls an der Handlung des Balletts sowie der literarischen Vorlage von E.T.A. Hoffmann, weicht im Detail aber in vielen Punkten ab.
⢠Im November 2018 kam der US-amerikanische Fantasyfilm Der Nussknacker und die vier Reiche ins Kino.
⢠2022 inszenierte Lotte de Beer an der Wiener Volksoper das Werk Jolanthe und der Nussknacker, bei dem Tschaikowskis Oper Jolanthe und das Ballett Der Nussknacker zu einer Geschichte verwoben wurden.cite-ref-ots-20221012-ots0171-24-0[24]
Literatur
⢠Horst Koegler, Helmut Gßnther: Reclams Ballettlexikon. Reclam, Stuttgart 1984, ISBN 3-15-010328-2.
⢠Thomas Kohlhase: EinfĂźhrungen in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs (= Äajkovskij-Studien. Band 2). Schott, Mainz u. a. 1996, ISBN 3-7957-0324-7, S. 40â48 (Der Nussknacker. (PDF; 1,29 MB) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Februar 2022. ).
⢠The Nutcracker. Auf: petipasociety.com â Website der Marius Petipa Society (englisch), abgerufen am 29. Dezember 2020.
Weblinks
Commons
: Der Nussknacker
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠George Balanchine's The Nutcracker auf der Website des The George Balanchine Trust (englisch; Abruf am 31. Dezember 2020)
⢠Noten und Audiodateien des Nussknacker-Ballets im International Music Score Library Project
⢠Noten und Audiodateien der Nussknacker-Suite im International Music Score Library Project
Einzelnachweise
cite-note-kohlhase40-11. â Thomas Kohlhase: Der Nussknacker. (PDF) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Oktober 2018. , Schott, Mainz 1996, S. 40â48, hier: S. 40.
cite-note-petipa-22. â The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
cite-note-kohlhase42-33. â Thomas Kohlhase: Der Nussknacker. (PDF) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Oktober 2018. , Schott, Mainz 1996, S. 40â48, hier: S. 42
cite-note-44. â âHerr Stahlbaumâ heiĂt er z. B. in den unten angefĂźhrten Ballettfilmen mit dem Mariinski-Ballett und mit dem Bolschoi-Ballett, die beide in der sowjetrussischen Tradition (nach Wassili Wainonen bzw. Yuri Grigorovich) stehen.
cite-note-55. â Auch bei Balanchine. Siehe: George Balanchine's The Nutcracker auf der Website des The George Balanchine Trust (englisch; Abruf am 31. Dezember 2020)
cite-note-petipa-20century-66. â Abschnitt The Nutcracker in 20th century Russia, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
cite-note-77. â Kohlhase nennt als Alternativnamen Klara, Claire und Marie. Thomas Kohlhase: Der Nussknacker. (PDF) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Oktober 2018. , Schott, Mainz 1996, S. 40â48, hier: S. 42
cite-note-88. â Thomas Kohlhase: Der Nussknacker. (PDF) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Oktober 2018. , Schott, Mainz 1996, S. 40â48, hier: S. 43â47
cite-note-99. â Thomas Kohlhase: Der Nussknacker. (PDF) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Oktober 2018. , Schott, Mainz 1996, S. 40â48, hier: S. 41, 45 und 46
cite-note-kohlhase47-1010. â Thomas Kohlhase: Der Nussknacker. (PDF) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Oktober 2018. , Schott, Mainz 1996, S. 40â48, hier: S. 47
cite-note-petipa-west-1111. â Abschnitt The Nutcracker in the West, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
cite-note-1212. â Die Partitur enthält folgende Anmerkung: âDieses Instrument ist dasselbe, das in den Spielzeugsinfonien von Haydn und Romberg verwendet wird. Es ist in fast jedem Musikgeschäft erhältlich.â
cite-note-1313. â Die Partitur enthält folgende Anmerkung: âWo eine Celesta nicht verfĂźgbar ist, kann die Stimme auf dem Klavier gespielt werden.â
cite-note-1414. â Die Partitur enthält folgende Anmerkungen: âDie Instrumente sind identisch mit denen, die in Pique-Dame (1. Szene) verwendet werden. Zwei oder mehr Kinderspielzeugtrommeln sollten auf der BĂźhne verwendet werden. Der ausfĂźhrende Trommler sollte keine kleine Trommel, sondern eine Kindertrommel (tambour dâenfant) verwenden.â
cite-note-1515. â Die Partitur enthält folgende Anmerkung: âZusätzlich zu den beiden in der Partitur bereits genannten Instrumenten [âŚ] kĂśnnen die Kinder Instrumente, die typischerweise mit Kindersinfonien in Verbindung gebracht werden, zum Beispiel eine Kuckucks- oder WachtelflĂśte, Becken usw.â
cite-note-1616. â Die Partitur enthält folgende Anmerkung: âEin Chor aus 24 Frauen- oder Kinderstimmen. Der Chor sollte aus zwĂślf Sopran- und zwĂślf Altstimmen bestehen. Zwar wäre es erstrebenswerter, die Stimmen von Kirchenchorjungen zu haben, werden vierundzwanzig geschulte Frauenstimmen, die aus dem Opernchor ausgewählt werden, genĂźgen.â
cite-note-petipa-worldpremiere-1717. â Abschnitt World première, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
cite-note-petipa-compo-1818. â Abschnitt Composition, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
cite-note-petipa-granddiv-1919. â Abschnitt Grand divertissements, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
cite-note-201. (Hier aus dem Englischen) â⌠it is a pity that so much fine music is expended on nonsense unworthy of attention, but the music in general is excellent: that designated for dances is dansante and that designated for the ear and for the fantasy is imaginative. Of Tchaikovskyâs three ballets⌠âNutcrackerâ is the best, its music indeed not for the normal ballet audience.â. Siehe Abschnitt World première, in: The Nutcracker, auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 31. Dezember 2020)
cite-note-2121. â Abschnitt Waltz of the Snowflakes, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
cite-note-2222. â Der Nussknacker (Memento vom 25. November 2020 im Internet Archive). Inhaltsangabe der Version von John Neumeier.
cite-note-2323. â Thomas Kohlhase: Der Nussknacker. (PDF) In: EinfĂźhrung in ausgewählte Werke Petr Il'iÄ Äajkovskijs. Abgerufen am 27. Oktober 2018. , Schott, Mainz 1996, S. 40â48, hier: S. 41
cite-note-ots-20221012-ots0171-2424. â Lotte de Beers Regie-Premiere aus der Volksoper Wien: âJolanthe und der Nussknackerâ am 14. Oktober in ORF 2. In: ots.at. 12. Oktober 2022, abgerufen am 14. Oktober 2022.